Stunde Null: Wie alt sind wir wirklich?

Seit wann gibt es Ihr Unternehmen oder Ihren Verein? Sicherlich haben Sie wie die meisten Leute eine klare Antwort darauf. Gottseidank – schließlich gibt das Gründungsdatum wichtige Auskunft über die Erfahrung und Stabilität eines Unternehmens. Als Geburtsstunde gilt meist das Datum, an dem ein Unternehmen offiziell gegründet wurde und seit dem es rechtlich existiert. Auf welch wackeligen Beinen solch ein „Geburtstag“ manchmal steht, wird spätestens klar, wenn sich jemand (wie wir für unsere Jubiläumsmedien) etwas tiefer damit beschäftigt. Was gilt in Ihrem Unternehmen oder Verein als Gründungsdatum? Der Eintrag ins Vereins- oder Handelsregister? Eine Vertragsunterzeichnung oder Eröffnung? Oder auch ein Handschlag zwischen Geschäfts-oder Sportsfreund*innen? Besonders schwierig ist es auch, wenn es im Laufe der Geschichte zu Zusammenschlüssen und/oder Verkäufen von Firmen kam. Es lohnt sich mal genauer hinzugucken, denn jedes Unternehmen, jeder Verein geht damit individuell um – wie auch bekannte deutsche Marken beweisen.

BMW richtet sein Gründungsdatum, den 7. März 1916 nach der Gründung der Bayerischen Flugzeug-Werke AG (BFW). 1922 überträgt die BMW AG, die 1917 entstand und 1918 zur AG wurde, ihren Motorenbau samt Firmen- und Markennamen an die BFW.

Der Beiersdorf AG gilt das Datum der ersten Patentschrift des Apothekers Paul Carl Beiersdorf für ein Verfahren zur Herstellung medizinischer Pflaster, nämlich der 28. März 1882, als Gründungsdatum.

Der Aldi-Konzern setzt den 10. April 1923 als Gründungsdatum fest. An diesem Tag beginnt der Bäckergeselle Karl Albrecht mit Backwaren zu handeln.

Dass Gründungsdaten mal arg ins Wanken kommen können, wenn man mal genauer nachschaut, konnten wir selbst bereits erleben: Etwa bei der Umsetzung unseres Jubiläumsbuches für die „Baugenossenschaft Fuhlsbüttel“.
1940 verschmolzen auf Befehl der NS-Führung drei kleine Baugenossenschaften in Hamburg-Fuhlsbüttel zu einer. Man übernahm als Gründungsjahr der neuen Genossenschaft das der vermeintlich ältesten Baugenossenschaft, das Jahr 1924. Doch während der Recherche tauchte ein Kaufvertrag einer der anderen Baugenossenschaften auf. Dieser stammte bereits aus dem Jahr 1922 und verwies noch dazu auf eine Satzung vom Oktober 1921

Ähnliches erlebten wir beim Bankhaus „M.M.Warburg & CO“.
Immerhin seit 225 Jahren lang gilt 1798 als das Gründungsjahr. Richtig ist jedoch, dass in diesem Jahr der Name des Unternehmens entsteht. Vater Gumprich Warburg überschreibt seinen Söhnen Moses Marcus und Gerson sein Bankgeschäft und diese gründen es offiziell als „M.M. Warburg & Co.“. Das Warburgsche Geschäft aber ist weitaus älter, Vater Gumprich war bereits in sechster Generation tätig.

Unsere Kunden beließen ihre jahrzehnte- bzw. jahrhundertealte Jahre Tradition des „emotionalen“ Gründungsdatums. Was sagt uns das? Das Gründungsdatum erzählt mitnichten nur von juristischen Verträgen. Die Wahl des Datums ist emotional aufgeladen und lässt auch Aufschluss darüber, welche Werte und Errungenschaften des Unternehmens den Gründern wichtig waren.